1125 Jahre Widdig
Widdigs Geschichte
Ein Projekt zum 1125-jährigen Jubiläum: Die Informationen wurden 2024 zusammengetragen und auf Infotafeln im Dorf gezeigt. Hier findet ihr alle Texte zum Nachlesen.


„Witheich“, „Wiedech“, „Wedig“, „Widdig“
Die Wurzeln von Widdig reichen bis in die römisch-keltische Zeit zurück. Der Ortsname „Witheich“ ist in Urkunden vom Anfang des neunten Jahrhunderts dokumentiert. Er geht auf das „Gut des Kelten Vettius“ zurück. Im Jahre 1143 ist der Ort unter dem Namen „Wiedech“ aufgezeichnet. Einige hundert Jahre später, 1421, lautet der Ortsname „Wedig“. Aus den alten Schreibweisen entwickelte sich sodann der Ortsname „Widdig“.
„Dingstuhl“ (Gerichtstuhl)
Über die Ortsgrenzen hinaus wurde Widdig bedeutsam, als hier um 1396 in kurfürstlicher Zeit ein „Dingstuhl“ (Gerichtstuhl) eingerichtet wurde. Dessen Jurisdiktion erstreckte sich auf die sieben Ortschaften Buschdorf, Grau-Rheindorf, Hersel, Uedorf, Widdig, Urfeld und Oberwesseling, wodurch Widdig entsprechende Privilegien genoss.
So wurde im 17. Jahrhundert dem Lehnsherrn des Etzbacher Hofes garantiert, dass er freies Asyl für schwere Verbrechen auf sechs Wochen und drei Tage gewähren kann, dass in Widdig ein Hofgericht mit Schultheißen und 14 Geschworenen erlaubt ist und dass er eine freie Schäferei halten darf, also keine Abgaben dafür leisten muss. Mit den Gütern der Abtei Heisterbach gingen unter französischer Herrschaft (1794 bis 1814) auch die alten Privilegien und Stiftungen verloren.
Schöffensiegel
Erstes Schöffensiegel: Dieses Schöffensiegel stammt noch aus der Zeit, als Widdig kirchlich zur benachbarten Pfarrgemeinde Urfeld gehörte. Daher zeigt das Siegel den heiligen Apostel Thomas, der Pfarrpatron von Urfeld ist.
Im Vordergrund des Widdiger Schöffensiegels steht also der heilige Apostel Thomas auf dem Kölner Kreuzschild. In seiner rechten Hand hält er ein geöffnetes Buch, in seiner linken Hand ein Beil.
Den Hintergrund bilden stilisierte Blumen innerhalb einer Schraffur. Die Umschrift lautet: SIGILLVM SCABINORVM DE WEDICH, frei übersetzt „Schöffensiegel von Widdig“.
Widdiger Landwirtschaft
Widdig war stets landwirtschaftlich geprägt und das Ackerland mit Gemüse und Obst bestellt. Dabei wuchs bis 1900 außerdem noch „fuchsiger“ oder „fussiger“ Wein, also Rotwein, in der Nähe des Rheins. Offenbar waren die Widdiger genügsam, denn wenn der mittelmäßige „Rote“ in schlechten Jahren gar nicht trinkbar war, reichte es immer noch für die Essigproduktion.
Große Höfe waren das besondere Wahrzeichen des Dorfes Widdig. Das alte Widdig verzeichnete drei Höfe: den Heisterbacherhof, auch Ufer-Hof genannt, am Rhein gelegen, den Clarenhof und den Lubbigshof.
Ein Gebäude eines ehemaligen Gutshofes steht noch heute in der Römerstraße 86. Das Gebäude wird auf das Jahr 1525 datiert. Ein eiserner Schlüssel gehört zu einem geschmiedeten Schlosskasten. Die vordere Öffnung des Schlüssels stellt die „1“ dar, der Bart die Jahreszahl „525“.

Die Widdiger Bannmühle
Der Reisende, der vor Jahrhunderten den Rhein befuhr, bemerkte zu beiden Seiten des heiligen Stromes eine Menge Windmühlen, die ihre langen, gespenstischen Arme luftig im Winde drehten. Heute erinnert in unserer näheren Heimat nur hier und da ein Mühlenstumpf …
Fährst du heute mit der Rheinuferbahn nach Köln, so siehst du bei dem Dörflein Uedorf einen „Tannenbusch“, aus dem nahe dem Rhein ein Turm hervorlugt. Er wurde aus den Resten der Widdiger Mühle erbaut …
Warum denn Widdiger Mühle? Deshalb, weil sie ehemals für den ganzen Widdiger „Dingstuhl“ mahlte. Die Bewohner des ganzen Dingstuhls waren verpflichtet, nur in dieser Windmühle mahlen zu lassen. Sie war demnach eine sogenannte „Bannmühle“. Die älteste urkundliche Datierung ist das Jahr 1445. Ihr erster Eigentümer ist der Kurfürst von Köln.
Im Jahre 1818 richtete Peter Broichhausen in ihr eine Ölmühle ein. Doch war der Betrieb nur schwach. Der letzte Müller, Rörig in Widdig, gab später den Betrieb auf.
Früher ein römischer Wartturm? Dass die Widdiger Bannmühle eine Vorgeschichte hat, ist sehr wahrscheinlich. „So vermutet man, dass an Stelle der früheren Mühle an der Gronau, deren Überreste einen runden Turmbau aus Basaltwacken aufwiesen, ein Wartturm gestanden habe.“ Trotz römischer Funde sei es eher wahrscheinlich, dass die Mühle früher ein mittelalterlicher Wachturm gewesen sei.
Quelle: Stadtarchiv Bornheim StAB_00-196
Die Kapellensteine
Widdig soll früher schon einmal eine große Kapelle gehabt haben, die als Pfarrkirche galt und ihren Standort da hatte, wo jetzt die neue Kirche steht. In einem entsetzlichen Hochwasser in der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde diese Kapelle von den Fluten weggerissen. An deren Stelle bauten die Widdiger die alte Kapelle, die jetzt noch im Dorfe steht. Bei niedrigem Wasserstand des Rheines kommen noch große Steine von den Fundamenten der alten Kapelle heraus, die im Volksmunde die „Kapellesteen“ genannt werden.
Quelle: StAB_00-196
Notlandung im Widdiger Feld
Zu einer Notlandung eines Sportflugzeugs in der Kiesgrube Horn wurden die Löschgruppen Hersel, Bornheim, Roisdorf und Widdig am 24.04.2010 um 10:40 Uhr gerufen. Nach längerer Suchfahrt durch die umliegenden Felder wurde die einmotorige Cessna schließlich zwischen Eichkamp und der Autobahn 555 bei Widdig auf einem Acker gefunden. Sowohl der Pilot als auch seine beiden Passagiere blieben bei der Notlandung unverletzt. Der Pilot war zu der unplanmäßigen Landung gezwungen, da die Cessna Motorprobleme hatte.
Quelle: Chronik „Die Freiwillige Feuerwehr Widdig“
Fünf neue Glocken läuten Ostern ein
Widdig. Wenn Ostersonntag in Widdig die fünf neuen Glocken das Osterfest einläuten, werden die Widdiger an dem Wohlklang von ihrem Kirchturm reine Freude haben. Das war nicht immer so, besonders, als es um die Anschaffung der neuen Glocken ging und man immerhin rund 20000 DM auf den Tisch blättern sollte. Doch auch das wurde geschafft.
Die Kirche St. Georg ist für die Rheinschifffahrt schon immer ein markanter „Meilenstein“ gewesen. Nun wird das Kirchlein mit Sicherheit noch bekannter rheinauf, rheinab werden. Die Vorgeschichte zu diesem neuen Geläut ist nicht ganz glücklich. Sie fing eigentlich schon 1946 an …
Die große Glocke hat die Tonart B-Dur. Sie wiegt 400 Kilogramm und trägt den Namen des „Königs der Herrlichkeit“. Die zweite Glocke klingt in C-Dur, wiegt 280 Kilogramm und ist „Ave Maria“ genannt. Die dritte Glocke hat die Tonart D-Dur. Sie ist 200 Kilogramm schwer und dem heiligen Georg, dem Pfarrpatron, geweiht. Die vierte Glocke erklingt in Es-Dur, wiegt 170 Kilogramm und ist der heiligen Agatha, der zweiten Pfarrpatronin, geweiht. Das fünfte, kleine Glöckchen, das ehemalige Totenglöckchen, trägt ebenfalls den Namen des heiligen Georg. Das neue Geläute wiegt nur rund 20 Zentner.
StAB_00-196, Bonner Rundschau, 13.04.1968

Brauchtum
Ein Jahr im Dorf, von den Sternsingern bis zum Adventssingen
Infotafel Brauchtum 1 Infotafel Brauchtum 2 Infotafel Brauchtum 3
Brauchtum im Heimatdorf
Das Brauchtum in unserem Heimatdorf Widdig ist vielfältig. In persönlichen Jubiläen und Anlässen, kirchlichen Festen und Veranstaltungen, Vereinsaktivitäten und vereinsübergreifenden Veranstaltungen ist das ganze Dorf einbezogen.
Hochzeiten
Hochzeiten werden in Widdig besonders gefeiert. Zur „Grünen Hochzeit“, zu Jubelhochzeiten oder der Primiz schmückt die Nachbarschaft das Haus der Feiernden mit selbstgebundenen und verzierten Kränzen besonders festlich.
Pfarrkirche
Auf dem sogenannten Kirchplatz in der Römerstraße stand bis Ende der 1930er die alte Sankt Georgs Kapelle. Diese wurde durch die in den Jahren 1928 bis 1929 erbaute und im Juli 1929 eingeweihte Pfarrkirche St. Georg ersetzt.
Prozessionen
Alljährlich wird am Patronatsfest am 23. April, früher auch „Kleinkirmes“ genannt, die Statue des heiligen Georg in einer feierlichen Prozession durch Widdig getragen.
Zur Fronleichnamsprozession werden, wie im Rheinland vielerorts üblich, von engagierten Widdigerinnen und Widdigern mit großem Einsatz vier festlich geschmückte Altäre mit Blütenteppichen hergerichtet.
Kirmes
Die Kirmes mit Fahrgeschäften und anderen Jahrmarktsattraktionen wurde bis ca. Mitte der 1980er Jahre immer am zweiten Wochenende im September auf dem sogenannten Kirmesplatz an der Römerstraße zum Kirchweihfest veranstaltet. An Stelle der Kirmes trat das Dorffest.
Kranzniederlegungen
Bis vor Kurzem erinnerte eine Kranzniederlegung am Kirchweihfest an die frühere Kirmes.
Am Vorabend des Volkstrauertags wird mit einer Kranzniederlegung den Verstorbenen der beiden Weltkriege gedacht. Hieran beteiligen sich die Vereine und Feuerwehr mit Fahnenträgern und musikalischer Begleitung.
Jahresanfang
Über das gesamte Jahr verteilt finden in Widdig Aktivitäten und Veranstaltungen der Vereine und Initiativen statt. Sie stellen einen festen Bestandteil des sozialen und kulturellen Dorflebens dar.
Zu Beginn des Jahres ziehen die Messdiener von St. Georg mit vielen weiteren Kindern des Dorfes als Sternsinger los. Sie bringen allen Häusern den Sternsingersegen und sammeln mit großem Erfolg Spenden für das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“. Darüber hinaus beteiligen sich die Messdiener auch an den Dorffesten.
Karneval
Hierauf folgt die „fünfte Jahreszeit“, der Karneval. In früheren Zeiten fand der Pfarrkarneval, eine selbstgestaltete Veranstaltung in der Mehrzweckhalle statt. An Weiberfastnacht hatte der „Möhneverein“ im Hotel Rheinterrassen eine Karnevalsfeier.
Karnevalszug
Der Widdiger Karnevalszug besteht seit 1953. Nach jahrzehntelanger Pause zieht der Zug seit 1994 immer am Karnevalssamstag als besonderes Highlight durch Widdig. Der Karnevalszug findet immer großen Anklang mit sehr großer Beteiligung.
Sitzungskarneval
Karnevalssitzungen wurden seit der Session 2014/2015 mit Gründung des Vereins Widdiger Karneval, den sogenannten „Lila Funken“, neu belebt. Hier und an vielen weiteren Orten der Region tanzt die Gardetanzgruppe des Karnevalvereins KG Blau-Gold Hersel-Widdig seit vielen Jahren. Zusätzlich richtet der Verein seit fast drei Jahrzehnten eine Mädchensitzung, die anfänglich in Hersel stattfand, sowie ein Freundschafts- und Gardetreffen und ein Kinderkostümfest aus.
Frühjahr & Sommer: Maibaum stellen
Am Abend zum 1. Mai findet das Fest „Tanz in den Mai“ statt, das jedes Jahr durch einen anderen Verein ausgerichtet wird. Dabei wird der Dorf-Maibaum von Kindern mit bunten Bändern festlich geschmückt und vom „Bäumchensverein“ aufgestellt.
Fußball im Sommer
Im Frühsommer findet seit vielen Jahrzehnten das „Gerümpel-Turnier“ vom Fußballverein SC Widdig 1922 e.V. statt. Hier messen sich private Gruppen und Vereine in einem Fußballturnier. Spaß und Unterhaltung stehen dabei ganz im Vordergrund.
Zum Ende der Sommerferien veranstaltet der SC Widdig e.V. traditionell sein Fußballcamp. Alle Mädchen und Jungen sind willkommen, um eine Woche lang zu trainieren und in Miniturnieren gegeneinander anzutreten.
Sommer-Dorf-Fest im August
Am letzten Sonntag im August feiert Widdig traditionell sein Sommer-Dorf-Fest. Hieran beteiligen sich alle Vereine mit einem reichhaltigen Programm für Groß und Klein, einem großen Kuchenbüffet mit selbstgebackenen Kuchen, herzhaftem Essen und weiteren Attraktionen. Segelflieger, historische Traktoren, Feuerwehrfahrzeuge, Pferde-Reiten, Fahrten im historischen Feuerwehrauto und Kinder-Rallye sind nur einige Beispiele.
Zum 1125-jährigen Jubiläum hatte Widdig mit der Heimatministerin Ina Scharrenbach einen besonderen Gast. Frau Ministerin Scharrenbach enthüllte das 3D-Stadtmodell von Widdig.
Lange Zeit fand das Sommer-Dorf-Fest auf „Bärbels Wiese“, einem privaten Grundstück an der Römerstraße, mitten in Widdig statt. 2023, pünktlich zum Jubiläum, wurde der Dorfplatz saniert und durch das Sommerfest erstmalig wieder benutzt.
Sankt Martin
Am ersten Samstag im November findet immer ein großer Sankt Martinszug statt. Mit bunten Laternen ziehen die Kinder und der heilige Martin, hoch zu Ross, durch Widdig bis zum Sportplatz. Dort entzündet die Freiwillige Feuerwehr ein großes Martinsfeuer zur Begeisterung aller Teilnehmenden. Jedes Kind erhält vom Sankt Martin einen Weckmann.
Auch alle Widdiger über 70 Jahre erhalten vom Martinsausschuss einen Weckmann, der durch die Pfadfinder Sankt Ägidius Hersel-Widdig überreicht wird.
Ebenfalls im November wird ein „Bunter Nachmittag“ für unsere Senioren mit Kaffee, Kuchen und Unterhaltungsprogramm in der Widdiger Mehrzweckhalle vom Martinsausschuss ausgerichtet.
Herbst
Der „Theater-Verein Edelweiß Hersel-Uedorf e.V.“ führt seit 1968 jährlich im Herbst mehrfach Lustspiele als Laientheaterspiel auf der Bühne der Widdiger Mehrzweckhalle auf.
Advents- und Weihnachtszeit
Auch der Nikolaus und sein Gehilfe Hans Muff kommen immer Anfang Dezember zu den Kindern nach Widdig in die Mehrzweckhalle und bringen jedem Kind eine Tüte mit Leckereien. Zur Nikolausfeier lädt der Martinsausschuss.
Zu Beginn der Adventszeit wird der Tannenbaum am Kirchplatz vom „Bäumchensverein“ geschmückt. Bei Glühwein, Punsch und den festlichen Klängen des Männergesangsvereins „TonArt“ wird die Adventszeit gemeinsam gefeiert.
Ganzjährige Veranstaltungen
Zusätzlich zu den Widdiger Festen finden regelmäßig weitere soziale Angebote und Veranstaltungen statt. Hierzu zählen beispielsweise das Seniorenfrühstück der kfd, die Krabbelgruppe und die katholische öffentliche Bücherei.

Der Rhein
Widdig erstreckt sich 1,5 km entlang des Rheins (Kilometer 662,9 bis 664,47). Der Rhein ist hier im Mittel 350 m breit. Die Wassermengen umfassen 650 m³/s bzw. 10.000 m³/s (Niedrig- und Hochwasser).
Daher die Warnung: Nicht im Rhein schwimmen!
Hochwasser
Im Februar 1784 ereignete sich das sogenannte Eishochwasser, als das bislang höchste mit 13,84 m (Bonner Pegel) belegte Hochwasser. In den Jahren 1993 und 1995 erreichte das Hochwasser Stände von über 10 m und Widdig war nur noch durch Sandsäcke geschützt. Ab 1999 erhielt Widdig eine Hochwasserschutzmauer, die bis zu 11,20 m schützt.
Niedrigwasser
Ein historischer Tiefststand wurde im Oktober 2018 am Bonner Pegel mit 0,82 m gemessen.
Leinpfad oder Treidelpfad
Ein Leinpfad oder Treidelpfad ist ein Weg, der unmittelbar am Ufer von Flüssen entlangführt, um mit Pferden Schiffe und Kähne an Leinen flussaufwärts zu ziehen.
Hotel Rheinterrassen als Rastplatz für die Pferdeführer:
Es war die Zeit, in der die Franzosen das linke Rheinufer besetzt hielten und die kleine Gaststätte gleichzeitig „Umspann“-Station für Schiffe, Postkutschen und Fuhrwerke war, die hier ihre Pferde wechselten … Alles, was damals an Schiffen zu Berg fuhr, machte in Widdig Rast. Lustig ging es dann in der Schifferkneipe zu …
Quelle: Stadtarchiv Stadt Bornheim STAB 196 S. 192
Widdiger Fähre
Im April 1956 machte die Fähre zwischen Widdig und Rheidt ihre letzte Fahrt. Der Fährmann Jakob Kirchhardt, auch als „Ohm Köbes“ bekannt, ging nach über vierzig Jahren Fährbetrieb in den Ruhestand. Damit endete die Ära des Fährbetriebs in Widdig.
Munitionstaucher in der „Widdiger Todesmulde“
„Taucher angeln todspeiende Stahlfische aus dem Rhein, Proviantboot flog in die Luft, Himmelfahrtskommando unter Wasser“, so lautet der Titel einer Tageszeitung vom 11. Juni 1953. Hintergrund waren Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg, die unkontrolliert durch bewegtes Rheingeröll explodierten. Taucher gingen bei Rhein-Kilometer 644 bei Widdig in der sogenannten „Todesmulde“ ins Wasser, um die Kampfmittel zu bergen.
Quelle: Stadtarchiv Bornheim 22T-200
„Moby Dick“
Im Juni 1966 tauchte in Widdig ein Weißwal im Rhein auf. Der verirrte Wal wurde zuerst in Duisburg gesichtet. Von den Rheinanwohnern wurde er liebevoll „Moby Dick“ genannt. Nach seiner Reise bis Remagen schwamm „Moby Dick“ wieder zurück in die Nordsee. Alle Versuche, den Wal für einen Zoo zu fangen, misslangen.

Städtebau
Widdig, ein Straßendorf: Viele Jahrhunderte lang war Widdig in seiner Form als sogenanntes Straßendorf charakterisiert. Ein Straßendorf ist eine Siedlung, bei der die Hauptstraße den Grundriss des Ortes bestimmt. Entlang der Hauptstraße sind die Gehöfte beidseitig angesiedelt. Die Widdiger Hauptentwicklungsachse war die heutige Römerstraße.
Gebäudeformen
Eine typische Bauweise der Höfe war die sogenannte U-Form. Hierbei bilden das Wohngebäude und die Wirtschaftsgebäude die Form eines „U“ zur Straße hin. Vielfach war das Tor zum Hof in ein Gebäude eingebunden. Die Flächen hinter dem Anwesen wurden in der Regel landwirtschaftlich genutzt. Weitere Hofformen waren der „rheinische Hof“, bei dem der gesamte Hof aus einem Gebäude besteht. Ein Beispiel ist in der Römerstraße zu sehen (vgl. Infotafel bei Römerstraße 34).
Siedlungsentwicklung
Ein städtebaulicher Entwicklungsschub fand in der Nachkriegszeit statt. In diesen Jahrzehnten war die Entwicklung durch die Erschließung der offenen Innenbereiche zwischen Rhein und Kölner Landstraße mit Wohnbebauung maßgebend. Exemplarisch für die Erschließung ist der Vergleich der Luftbilder aus den Jahren 1988 und 2022.
Überbaute Flächen
Die überbaute Fläche in Widdig vergrößerte sich um den Faktor sieben im Zeitraum von 1880 bis 2020. Trotz fehlender Unterscheidung von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden sowie Bruttogeschossfläche ist der reine Zahlenwert bemerkenswert.
Bevölkerungsentwicklung
Die Bevölkerung in Widdig nahm von 1930 bis 1970 um den Faktor drei zu. Von ca. 1985 bis 2015 fand ein weiterer Bevölkerungswachstumsschub statt. Die Bevölkerung wuchs um ca. 25 % auf 1.990 Einwohnerinnen und Einwohner.
- × 7überbaute Fläche 1880 bis 2020
- × 3Bevölkerung 1930 bis 1970
- + 25 %Wachstum ca. 1985 bis 2015
- 1.990Einwohnerinnen und Einwohner

Netzanbindung
Rheinuferbahn, Autobahn, Stromtrassen und die NATO-Rampe
Schienenverkehr
Im Jahre 1906 wurde Widdig schienenverkehrstechnisch an die Rheinuferbahn angeschlossen. Somit war eine Anbindung an die Metropolen Bonn und Köln gegeben.
Die Rheinuferbahn wurde 1978 in die Stadtbahnlinie 16 umbenannt. Bis vor ca. 25 Jahren wurde die Strecke der Linie 16 noch aktiv von der HGK (Häfen und Güterverkehr Köln) für den Güterverkehr genutzt. Zurzeit findet auf der Strecke kein Güterverkehr statt.
Autobahn
Im Jahre 1932 wurde die erste deutsche Autobahn zwischen Köln und Bonn eröffnet. Die Autobahn mit der heutigen Bezeichnung 555 tangiert Widdig und bekam 1972 die Auffahrt im Nachbarort Wesseling. Eine weitere Zufahrt ergab sich für Widdig mit der Anschlussstelle „Bornheim Süd“ im Jahr 2003.
Rheinquerung & Rheinschifffahrt
Zur Rheinüberquerung gab es bis in die 1950er ein Fährboot über den Rhein nach Niederkassel-Rheidt (siehe Kapitel „Der Rhein“).
Die Frachtschiffe auf dem Rhein wurden bis in die 1960er Jahre von einem Widdiger Proviantschiff mit Lebensmitteln versorgt. Eines der Versorgungsboote hieß „Willi“, das man sich wie einen Tante-Emma-Laden auf dem Wasser vorstellen kann. Dieses Boot ging längsseits des Frachters und blieb vertäut, bis der Einkauf abgeschlossen war.
Stromtrassen
In Widdig verlaufen zwei Freileitungen. Eine 220-kV-Höchstspannungsfreileitung des Betreibers Amprion mit der Strecke „Goldenberg-Siegburg“ (von Siegburg nach Sechtem), die 1957 errichtet wurde und eine 110-kV-Leitung aus 1920 ersetzte.
Die zweite Freileitung ist eine 380-kV-Höchstspannungsfreileitung, ebenfalls vom Betreiber Amprion und der Strecke von Sechtem nach Siegburg, die im Jahr 1979 errichtet wurde.
Die Freileitung ist die größte ihrer Art in der Welt.
27.11.1954, Sammlung Zerlett STAB22T-366

Die erste Schule
Das erste Widdiger Schulgebäude stand auf dem Grundstück der heutigen alten Schule, aber etwas weiter zurück, fern der Dorfstraße. Es war nach 1818 errichtet worden.
Die alte Schule muss niedrig, dumpfig und feucht gewesen sein. Lehrer Schreiner klagte über rheumatische Beschwerden. Er machte wiederholt Badekuren. Der Schulunterricht litt durch Ausfälle infolge der Krankheit des Lehrers.
Die Gemeinde Widdig war um die Mitte des vorigen Jahrhunderts sehr arm und hatte eine kleine Einwohnerzahl. Das jährliche Budget betrug einige hundert Mark. Daher wurde jede und selbst die kleinste Auslage im Gemeinderat beraten und beschlossen. Am 12.11.1850 hatte sich der Rat versammelt, um einen einzigen Punkt zu beschließen, nämlich die Anschaffung eines Ofenrohres für die Schulklasse.
Quelle: StAB_00-330, Sammlung Zerlett
Neue Schule Ende des 19. Jahrhunderts
… Am 25.5.1891 hatten Vernunft und Einsicht gewonnen. Man beschloss, die alte Schule abzureißen und ein neues Schulgebäude näher der Dorfstraße zu bauen. Die Kinder besuchten den Schulunterricht im Tanzsaal Forschbach, der für 20 Mark monatlich gemietet wurde …
Quelle: StAB_00-330, Sammlung Zerlett
Katholische Volksschule, Kindergarten & Mehrzweckhalle Widdig
Am Sonntag, den 15. März 1959 wurde die katholische Volksschule Widdig offiziell eingeweiht. Nach einem Kindergottesdienst in der Kirche startete der Festakt in der neuen Schule, mit einer Schlüsselübergabe durch Amtsbaumeister Kraemer an den Bornheimer Bürgermeister Frings.
Seit dem Jahr 1980 wird das Gebäude als Städtischer Kindergarten genutzt. Der vordere Teil dient seit 1981 als Mehrzweckhalle.
Die Widdiger Mehrzweckhalle, eine wichtige Infrastruktur
Neben der Nutzung als Spielraum für den Kindergarten wird die Mehrzweckhalle auf vielfältige Weise genutzt. Als öffentlicher Raum für Wahlen oder Bürgerdialoge, oder als sozialer Raum für den Karneval, Theaterspiele, Bunte Nachmittage, Sankt Martin, Sankt Nikolaus und vieles mehr.
„Aus Frühschoppen wurde Spätschoppen, die Widdiger feierten wieder ihre traditionelle Großkirmes“
Nach den liturgischen Feierlichkeiten war die alte Schule Treffpunkt, wo alsbald buntes weltliches Treiben im Rahmen des „Musikalischen Frühschoppens“ begann … Wenn auch vom Rhein her ein kalter Wind wehte und es zwischendurch regnete, die Stimmung war auf diesem städtischen Biermorgen prächtig.
StAB 02-031, Zeitungsartikel vom 14.09.1985

Ehrenbürger Peter Langel
Landwirt, Ratsmitglied und „Friedensengel“
Widdigs Ehrenbürger Peter Langel
Peter Langel, Jahrgang 1919, war gebürtiger Landwirt aus Widdig, Ehrenbürger der Stadt Bornheim und Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande.
Politik
Seine politische Karriere begann 1945 als Ortsvertrauensmann in Widdig und ab 1946 als Ratsmitglied der Stadt Bornheim. Durch seine ausgleichende Art erwarb er sich im Ort und der Politik den Ruf des Friedensengels.
Im Rahmen seines politischen Wirkens hat er viele Projekte angestoßen und umgesetzt. Für Widdig sind hier besonders zu nennen: der Bau des Kindergartens und der Mehrzweckhalle (damalige Schule) und der Bau des Sportplatzes.
Landwirtschaft
Neben seinem politischen Wirken blieb er der Landwirtschaft treu und vertrat hier die Interessen als Bezirksvorsitzender der Kreisbauernschaft, Vorstandsvorsitzender der Widdiger Spar- und Darlehenskasse und als Vorsitzender des „Roisdorfer Centralmarktes“.
„Das Widdiger Stadion“
Dem Kiesabbau verdankt das Gelände des Widdiger Fußballplatzes, der heutigen Tennisanlage, sowie des Spielplatzes seine heutige Form.
Bereits in Kartenwerken von 1840 ist die topographische Besonderheit zu sehen. Bis der Fußballplatz im Jahr 1969 offiziell eingeweiht wurde, war es ein langer Weg, der besonders durch Peter Langels Einsatz getragen wurde.
„Die Widdiger weihten ihr Dorfstadion ein, vom Landesbeauftragten in einer Feier übergeben“
Fahnen flatterten am Tor und in der Anlage, als der Sport-Club Widdig 1922, die Alten Herren von Buschdorf, der Sportverein Sechtem, die Widdiger Freiwillige Feuerwehr und das Tambourkorps „Blau-Weiß“ Hersel ins Widdiger Dorfstadion einmarschierten und sich auf dem mit roter Erde bedeckten Spielfeld vor den Rängen mit den Ehrengästen … aufstellten.
… 350.000 DM wurden bisher für die neue Sportplatzanlage investiert, weitere 100.000 DM müssen noch bis zur endgültigen Fertigstellung ausgegeben werden …
Quelle: Stadtarchiv Bornheim StAB_02-031
Zum Anschauen
Die Infotafeln zum Jubiläum
Alle zehn Tafeln im Original. Zum Vergrößern antippen.
Widdig
Nostalgie
Brauchtum 1
Brauchtum 2
Brauchtum 3
Der Rhein
Urbanisierung
Netzanbindung
Schule
Ehrenbürger Peter LangelHistorische Fotos und Dokumente: Stadtarchiv Bornheim und weitere genannte Quellen. Luftbilder und historische Karten: Open Data NRW.

